Chronik aus dem Jahr 2000 von Wilhelm Barth

Im epochal bedeutsamen Jahre 2000 kann die DRK-Bereitschaft Heidelberg-Handschuhsheim gleichermaßen ein außergewöhnliches Ereignis verzeichnen. Sie feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum darf man alle ehrenamtlichen Aktiven und die Verantwortlichen in der Führungsebene beglückwünschen. Und gleichzeitig darf man die Hoffnung aussprechen, dass ihrer Bereitschaft weiterhin Beständigkeit beschieden ist und ihnen der Zuspruch junger engagierter Helfer zuteil werden möge, die sich uneigennützig in den Dienst der Nächstenliebe stellen und die umfassenden Aufgaben der Bereitschaft im Sinne ihrer Vorgänger weiterführen. Will man auf den Begriff Rotes Kreuz näher eingehen, so ist der Blick auf seinen Ursprung eine unumgängliche Thematik. Die Schlacht bei Solferino am 24. Juni 1859 und der Name des schweizerischen Bankiers Henry Dunant sind untrennbar mit der Inspiration und der Verwirklichung eines begnadeten Gedankens verbunden. Angesichts des grauenvollen Leidens tausender verwundeter Soldaten, die in einem mörderischen Gemetzel Mann gegen Mann hilflos auf dem Kampffelde liegenblieben, formierten sich durch den Aufruf dieses Schweizers, unter der Devise: Tutti fratelli - Alle sind Brüder -, ungezählte opferwillige Frauen und Männer aus den lombardischen Dörfern um Solferino zur Hilfeleistung. Für ihn und seine Helfer gab es keinen Nationalitätenunterschied beim Anblick der Szenen des Schreckens und bei der Ergriffenheit vom Leiden und Sterben Tausender.

In seiner Schrift: < Eine Erinnerung an Solferino > schilderte Henry Dunant drei Jahre später das Elend von Solferino in einem Aufruf und mit der Bitte an Männer und Frauen aller Länder und aller Stände, zu einem guten Werke beizutragen, durch das die Leiden künftiger Kriege gemildert werden könnten. Nicht zuletzt war es Dunants unermüdlichem Werben und dieser Schrift zu verdanken, dass zunächst in Genf, dann aber auch in der übrigen Schweiz und in ganz Europa das Interesse für das zu schaffende Hilfswerk erwachte. Bereits 1863 konnte die Gründung des Roten Kreuzes vollzogen werden. Ein Jahr später erfolgte die Schaffung der ersten Genfer Konvention, die in ihren Statuten die Richtlinien zur Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen festlegte. Als Kennzeichen, das den Schutz und die Hilfe verbürgen soll, wurde – zu Ehren der Schweiz – das nur in seinen Farben umgestellte eidgenössische Wappen, so wie es sich heute darstellt, gewählt: Das rote Kreuz auf weißem Grund. Doch aus der damaligen intuitiven Idee, sowohl den Verwundeten in den Kampfgebieten als auch den Kriegsgefangenen eine humanitäre Fürsorglichkeit angedeihen zu lassen, hat leider die Menschheit aus den zwei großen Weltkriegen, unzähligen militärischen Auseinander- setzungen und Bürgerkriegen noch keine ernüchternde und heilsame Lehre gezogen, die eine Ächtung des Krieges und seine Vermeidung überhaupt, zum Ziele gehabt hätte. Im Gegenteil. Die militanten Konflikte nehmen kein Ende, unerheblich, ob sie nun religiösen, rassistischen oder hegemonialen Motiven entspringen. Sie erreichen mittlerweile ebenso stammverwandte Völker und Völkergruppen. Stets verbirgt sich aber dahinter eine besondere Couleur des ewig konfliktauslösenden Homo sapiens, der mit seinem beherrschenden Naturell und einer rücksichtslosen Menschenverachtung die Ausbreitung seiner Machtgelüste betreibt.

Die Idealisierung des Leitgedankens von Henry Dunant, dass die damals selbst gestellten Aufgaben des Roten Kreuzes für alle Zukunft nur noch pazifistischen Grundvorstellungen dienen möge, dürfte wohl ein unerreichbares Ziel und ein utopischer Wunsch der Menschheit bleiben. Denn die verachtungswürdigen Verstöße vieler Staaten auf fast allen Kontinenten, gegen die Grundrechte des Menschen und gegen die Genfer Konventionen, lassen dieses Ansinnen auf der Basis einer gewaltlosen Präsenz des Roten Kreuzes als Illusion erscheinen. Ereignisse, hervorgerufen durch Naturgewalten wie Erdbeben, Orkaneinwirkungen, Überschwemmungen riesigen Ausmaßes, Lawinenunglücke, Dürre und folgende Hungersnot, auch Flugzeug- und Schiffs- katastrophen, usw. sind gewiß Beweisgründe genug, um die Notwendigkeit einer Organisation wie das Rote Kreuz zu unterstreichen. Dazu bedarf es zweifelsohne keiner Kriege und keiner durch diese Konflikte ausgelösten Folgen, die einer schuld- und wehrlosen Zivilbevölkerung widerfahren. Auch die unausbleiblichen und sich mehrenden Unfälle auf den Straßen durch die ständig wachsende Verdichtung des Verkehrs, drängen den Aufgabenbereich in immer größere Dimen- sionen und stellen das Rote Kreuz vor gewaltige Herausforderungen. Nicht zuletzt ist die Finanzierung der notwendigen Hilfsmittel und Gerätschaften sowie die Sorge um den Nachwuchs, der sich zu einem ehrenamtlichen Engagement bereitfindet, ein echtes Problem unserer Zeit geworden. Läßt man die 100 Jahre seit dem Bestehen der Sanitäts-Bereitschaft Handschuhsheim Revue passieren, so war der 27. März 1900 die Geburtsstunde einer neuerstellten Sanitäts-Kolonne, die sich aus Mitgliedern eines im Jahre 1873 in Handschuhsheim gegründeten Militärvereines etablierte. In der Zusammenfassung unzähliger solcher Militärvereine aus dieser Zeit, entstand auf nationaler Ebene der sog. Kyffhäuser-Bund als Dachorganisation.

Die neue Sanitätskolonne jener Mitglieder stützte sich nur auf eine handschriftliche Verpflichtung, in der bekundet wurde, zunächst für die Dauer eines Jahres einen persönlichen Einsatz mit Zeit und Kraft zu leisten (der als Kyffhäuserkameradschaft später deklarierte Militärverein Heidelberg-Handschuhsheim löste sich 1990 mangels Mitglieder auf). Dem Aufrufe des Roten Kreuzes zur Mitarbeit folgend, war dieses Engagement unter dem Leitgedanken "Jederzeit hilfsbereit" und die adäquate Ausbildung anfänglich nur auf militärische Krisenfälle ausgerichtet. Nach wenigen Jahren zeigten sich, unter der Führung von Philipp Elfner und des ausbildenden Arztes Dr. Deißler, schon sehr beeindruckende Erfolge bei den entsprechenden Übungen.

Die Beherrschung der vorgegebenen Aufgaben waren eine Voraus- setzung dafür, eine Urkunde zu erhalten mit der Befugnis, den Namen "Rotes Kreuz" zur Bezeichnung des Vereines oder als Tätigkeits-Kennzeichnung gebrauchen zu dürfen. Mit der Übernahme des Amtes als Kolonnenführer durch den Ratsschreiber Adolf Schaubhut im Jahre 1903, tendierte die Schulung der Sanitätskolonne mehr und mehr hin zu der Auffassung, auch in Zeiten des Friedens ihre Hilfe anzubieten wo immer es notwendig ist. Analog dieser Entwicklung kam man damals zu dem Entschlusse, die Sanitäts- Kolonne aus dem bestehenden Militärvereine, d.h. aus der Kyffhäuser-Kameradschaft auszugliedern. Der Anschluß an den badischen Landesverein vom Roten Kreuz in Karlsruhe erfolgte aktenkundig am 30.12.1912. Noch im gleichen Jahre wurde eine Kameradschaftskasse mit einem Monatsbeitrag von 10 Reichspfennigen eingerichtet. Der praktische Arzt Dr. Georg Horsch übernahm damals von seinen Vorgängern, dem Oberarzt Dr. Messmer und Dr. Queckenstedt, die Gewähr für die Ausbildung. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war auch für den größten Teil der Sanitätskolonne der Einzug zum Heere unabdingbar. Verstärkt durch Hilfssanitäter, damals 15- bis 16jährige Turner des Handschuh- sheimer TSV 1886, wurde die mit einigen älteren Kameraden verbliebene Kolonne vorwiegend für Verwundetentransporte eingesetzt, die während des ganzen Ersten Weltkrieges von in Heidelberg zahlreich eintreffenden Lazarettzügen zu den hiesigen Reserve-Lazaretten vollzogen werden mußten. An der ständigen Aufsicht in den Wachstationen am Personen- und Güterbahnhof war in demselben Maße die Kolonne Handschuhsheims beteiligt. Die Entwicklung in der Nachkriegszeit brachte durch die starke Zunahme der sportlichen Betätigung unserer Bürger auch der Sanitätskolonne neue vielfältige Aufgaben. Der Tätigkeitsbereich wurde vorwiegend von Hilfeleistungen in dieser Sparte beherrscht. Doch auch diesen Anforderungen wurde die Sanitätskolonne Handschuhsheim gerecht und konnte bei ihrem 25-jährigen Jubiläum vielen tätigen Mitgliedern eine Urkunde, ausgestellt von der damaligen Kreishauptstadt Heidelberg, für vorwurfsfreie Mitgliedschaft verleihen. Der bekannte Handschuhsheimer Arzt Dr. Hans Isele sen. übernahm zu dieser Zeit das Amt des Kolonnenarztes. Die Gegebenheiten erforderten es, dass neben der bestehenden männlichen Kolonne im Jahre 1934 auch eine weibliche Bereitschaft ins Leben gerufen wurde, deren Leitung Frau Isele innehatte. Die Änderung der bisherigen Bezeichnung Sanitätskolonne in den neuen Namen Sanitätsbereitschaft war seit längerem geplant und bereits vollzogen. Unter dieser Neuorientierung konnte anläßlich des 35-jährigen Jubiläums die stattliche Anzahl von 52 Helferinnen feierlich verpflich- tet werden. In der Führungsposition fand 1935 ein Wechsel statt, nachdem Adolf Schaubhut, der damals auch das Amt des Kreiskolonnenführers von 1930 – 1934 bekleidete, aus Altersgründen sein Amt als Bereitschaftsführer niederlegte. Nach kurzer Amtszeit gab auch der als Nachfolger gewählte Bereitschaftsarzt Dr. Hans Isele sen. im Jahre 1937 aus beruflichen Gründen sein Amt an Peter Hess weiter. Die nun ebenfalls frei- gewordene Stelle des Bereitschaftsarztes übernahm Dr. Hans Brunner. Schlagartig brachte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges für die Sanitätsbereitschaft Handschuhsheim und das gesamte Rote Kreuz eine umwälzende Modifikation und den vielfältigsten Einsatz. Die Mitglieder der Bereitschaft wurden eingezogen, zu Sanitätseinheiten zusammengefaßt, an Krankensammelstellen und als Truppensanitäter eingesetzt. Die im Heimatbereich verbliebenen Mitglieder wurden dem Sanitätsluftschutz für die Bevölkerung zugeteilt und erhielten Ver- stärkung von Personen, die durch staatliche Anordnung dem Luftschutze verpflichtet waren. Für einen Teil der Helferinnen erfolgte 1939 der Einsatz bei der Einrichtung des Umsiedler-Durchgangslagers Viktoria-Hotel, bei der Verpflegungsausgabe an den Urlauberzügen und bei Zwischenaufenthalten von Truppentransportzügen im Hauptbahnhof Heidelberg, sowie bei der Einrichtung und Inbetriebnahme eines Soldatenheimes in der Rohrbacher Straße. Einige waren den Verpflegungseinheiten in Frankreich, Dänemark, Polen und Rußland zugewiesen worden. Andere meldeten sich freiwillig in Heimat- und Feldlazarette, wo sie einen aufopferungsvollen Dienst als Schwesternhelferin leisteten. Bei jedem der unzähligen Fliegeralarme gegen Kriegsende war im Keller der (heute so benannten) Tiefburgschule die Sanitätsbereitschaft präsent und belegte außerdem eine im Zapfenberg eingerich- tete Beobachtungsstelle mit einem selbstkonstruierten Ortungsgerät. Die Bereitschaftsführung ließ im oberen Teil der Löbingsgasse einen Sanitätsstollen von 70 Meter Länge in den Berg treiben, der während des Fliegeralarms für 300 Menschen Schutz bot (Eingeweihte wollen damals festgestellt haben, dass dieser Aushub zum Teil entlang der Mühlingstraße abgeladen wurde und der dann nach dem Kriege, unter der Aufsicht ehemaliger Regimegegner, von PG’s weggeräumt werden mußte). Beim Näherrücken der Westfront setzte man vor der Tiefburg die Rot- kreuzflagge. Ein Verbandplatz wurde dort eingerichtet und besetzt für den Fall, dass Heidelberg in den Bereich der Kampfhandlungen gera- ten würde. Doch dazu kam es zum Glück für die ganze Stadt nicht. Obwohl das Deutsche Rote Kreuz nach der deutschen Niederlage 1945 seitens der Besatzungsmächte aufgelöst wurde, bestanden die Handschuhsheimer Bereitschaften ohne Unterbrechung nach dem Kriege weiter. Die schwere Zeit bereitete den Frauen und Männern des Roten Kreuzes viel Arbeit, Sorgen und oft Mutlosigkeit. Der starke Mitgliederschwund der weiblichen Bereitschaft, der jedoch nach eini- ger Zeit wieder aufgeholt werden konnte, machte sich bemerkbar.

Es mußten Kriegshinterbliebene betreut werden, in der Vertriebenen- fürsorge waren große Probleme zu bewältigen und beim Suchdienst nach vermißten und verschollenen Familienmitgliedern fiel dem Roten Kreuz eine kaum zu vollendende Aufgabe zu. Doch immer waren die Frauen und Männer der Bereitschaft um das Wohl ihrer in Not geratenen Mitmenschen bemüht und bereit zu hel- fen und beizustehen wo immer es ging. Die Handschuhsheimer Bevöl- kerung dankte damals dieses Engagement mit viel Verständnis und Unterstützung bei Sammlungen für das Rote Kreuz, die von Jahr zu Jahr wachsende Ergebnisse zeitigten. Wegen der allgemein herrschenden Notlage in den Nachkriegsjah- ren, nahm man von einer Feier anläßlich des 50-jährigen Bestehens der Sanitätsbereitschaft Handschuhsheim gezwungenermaßen Abstand.

Die Wiedergründung des aufgelösten Deutschen Roten Kreuzes im Jahre 1951 verstand sich als überregionaler Nachholakt und bedeute- te für die Bereitschaft Handschuhsheim keine strukturelle Verände- rung. Unabhängig davon trat ein Wechsel in der weiblichen Bereit- schaftsführung ein. Die seit 1941 von Frau Fehsenmeier geleitete weibliche Bereitschaft wurde 1953 von Frau Gustel Buque übernom- men, die ihr Amt 1955 zur Wahrnehmung der Belange der Helferinnen an Frau Schifferer abgab. 1956 erhielt Frau Elisabeth Rück die Beauf- tragung zur Führung der Bereitschaft. Seit 1965 ist Frau Dr. Wirth-Brun- ner Bereitschaftsärztin. Die Gründung der DRK-Blutspendedienste geht bereits auf das Jahr 1952 zurück. Zum 60-jährigen Bestehen der Bereitschaft Handschuhsheim konnte der damalige Bereitschaftsführer Peter Hess am 6./7./8. August 1960 mit einer beeindruckenden Schar von Helferinnen und Helfern und unter der Beteiligung der Handschuhsheimer Bevölkerung im Tief- burghof, begünstigt von einem strahlenden Sommerwetter, drei schö- ne Festtage feiern. Der zu dieser Zeit amtierende Vorsitzende vom Ortsverein Heidelberg des Deutschen Roten Kreuzes, Bürgermeister Schmidt-Brücken, hob in seinem Grußwort besonders das traditions- reiche Engagement für das Deutsche Rote Kreuz hervor, welches gerade in Handschuhsheim vorbildlich geblieben ist. Diese Tradition verpflichtete in den folgenden Jahren zu weiteren Anstrengungen des Aufbaues. In verstärktem Maße widmete sich die Bereitschaft der Ausbildung sowohl für den örtlichen als auch für den überregionalen Katastrophenschutz. Mit der Aufstellung von Schnel- leinsatzgruppen und Einsatzeinheiten konnte man damit den Belan- gen beider Einsatzebenen gerecht werden. Die Aus- und Fortbildung der aktiven Mitglieder für dieses Programm lag in den bewährten Händen des Bereitschaftsarztes Dr. Brunner und seines Stellvertreters Dr. Hans Isele jun., der bereits 1948 zur Bereitschaft kam, sowie Frau Dr. Wirth-Brunner.

Zusammen mit den zu Ausbildern avancierten Aktiven Heinrich Heck- mann und Gottlieb Welk wurden ungezählte Erste-Hilfe-Kurse für die Bevölkerung - darunter befanden sich größtenteils Führerscheinaspi- ranten - durchgeführt. Dieses Team bekam 1972 Verstärkung durch Dr. Hans Dieter Gehrig und 1974 durch den Ausbilder Manfred Grün. Zwischenzeitlich trat nach 27-jähriger Führungstätigkeit Peter Hess (> 1970) im Jahre 1964 sein Amt an Otto Edelmaier ab. Gottlieb Welk übernahm dann 1972 die Bereitschaftsführung. Auch in der Sozialarbeit sah man einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit der beiden Bereitschaften. Es wurden spezifische Kurse in häuslicher Krankenpflege ermöglicht und die Schwesternhelferinnen- Ausbildung gefördert. Lehrgänge für Sofortmaßnahmen am Unfallort standen auf dem Programm. Mit der Einführung von Altennachmitta- gen und der Organisation von Altenfeiern und Ausflügen, kam man den älteren Mitbürgern in dankenswerter Weise entgegen. Durch die Errichtung einer Zweigstelle der Stadtbücherei im alten Rathaus war der Raumbedarf der Bereitschaft und die Möglichkeit zur Entfaltung enorm eingeschränkt, so dass dort die vorgesehenen Erste- Hilfe-Kurse für die Bevölkerung nicht mehr durchgeführt werden konnten. Um aus der Not eine Tugend zu machen, entschloß sich die Bereit- schaft wohl oder übel Ende Oktober 1971 für den Wechsel vom Bür- gersaal - der als bisheriges Bereitschaftsheim seit der Gründung kostenlos zur Verfügung stand - in die freien Räume des Gasthauses Zum Ritter, Ecke Friedensstraße / Burgstraße, die sich gerade anbo- ten. Dort konnte für die betagten Mitbürger, auf Anregung der Bereit- schaftsführerin Elisabeth Rück, 1973 eine Altentagesstätte eingerichtet werden, die sich seither eines regen Zuspruchs erfreute. Diese Maßnahme war auch notwendig geworden, um die nun anfal- lende Miete für das Bereitschaftsheim aufbringen zu können. Die Altentagesstätte ist eine Einrichtung des Kreisvereines Heidelberg und wird durch freiwillige Arbeit von Helferinnen und Helfern der Bereit- schaft geleitet. Nicht zuletzt sorgte damals die Streitfrage der bei- tragslosen Mitgliedschaft auch für eine Kontroverse zwischen dem Stadtteilverein und der Sanitätsbereitschaft Handschuhsheim, die jedoch mit Einsicht bereinigt wurde. Dass bei der Bereitschaft Handschuhsheim nicht nur stetige Arbeit und der Einsatz gefragt ist, sondern auch die Entspannung und die Freizeitgestaltung nicht zu kurz kommen, beweisen die vielfachen Rei- sen in Verbindung mit aufschlußreichen Besichtigungen und Besuchen denkwürdiger Stätten. So stand schon die Besichtigung von Solferino in Italien auf dem Programm, dem Orte, welchem man den Ursprung der Rotkreuz-Idee verdankt. Ebenso interessant war eine Fahrt nach Genf, der Heimatstadt Henry Dunants, dem geistigen Vater des Roten Kreuzes. Auch nach Heiden im Kanton Appenzell, wo Dunant seine letzten Lebensjahre verbrachte, führte eine Exkursion. Selbst Frank- reich, die Niederlande, Prag und Moskau waren Ziele dieser gut orga- nisierten Studienreisen. Mit großem Aufwand wurde am 28. und 29. Juni 1975 ein Festpro- gramm zum 75-jährigen Jubiläum der Bereitschaft Handschuhsheim gestaltet, das unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Heidelberg, Reinhold Zundel, stand. Doch in Ermangelung eines geeigneten Saales für die Festdarbietungen mußte - wie zuvor beim Jubiläum 1960 - abermals das Wahrzeichen von Handschuhs- heim, die alte ehrwürdige Tiefburg als Festkulisse dienen. Über zwan- zig DRK-Bereitschaften aus der näheren und weiteren Umgebung Hei- delbergs beteiligten sich beim Festzug durch Handschuhsheim. Auch ein Großteil der Handschuhsheimer Vereine befand sich unter den 35 Festzugteilnehmern. Ganz besonders darf man an dieser Stelle die tat- kräftige Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Handschuhsheim bei der Abwicklung dieses Festes hervorheben.

Abgesehen von einigen bemerkenswerten Ereignissen in den zwei- einhalb Jahrzehnten seit diesem letzten Jubiläum, kann man die erbrachte Bereitschaftsarbeit einem immer sich wiederholenden Ablauf jährlicher Verpflichtungen und Leistungsangebote zuordnen. Die Detaillierung würde aber über den Rahmen einer Beschreibung hinausgehen. Zusammenfassend sollen deshalb nur die wichtigsten Fakten wie die Betreuung der Altentagesstätte, die Abhaltung von Kur- sen für die Bevölkerung, die Bereitstellung von Wachen bei den unter- schiedlichsten Veranstaltungen hiesiger Vereine, die Sammelaktionen des Deutschen Roten Kreuzes, Übungen zur Fortbildung der Bereit- schaft selbst, Präsenz bei Blutspendeaktionen usw. Erwähnung finden. Ein hohes Maß latenter Einsätze und Betätigungen der Bereitschaft die hier nicht aufgeführt werden, schmälern keineswegs die Verdienste der Helferinnen und Helfer. Zu erwähnen wäre im Jahre 1977 die Gründung des Jugendrotkreuz in Handschuhsheim. Für eine erneute Aufregung sorgte 1981 die Kündigung der angemie- teten Räume des ehemaligen Gasthauses Zum Ritter seitens des Besit- zers. Die Fortsetzung der erwartungsvoll begonnenen Arbeit war damit in Frage gestellt. Wiederum war eine vorübergehende Unter- bringung im Bürgersaal des alten Rathauses mit allen Einschränkun- gen unumgänglich, letztlich leider auch verbunden mit der völligen Schließung der Tagesstätte. Dem Vorschlag aus den eigenen Reihen, dem persönlichen Engage- ment des damaligen Bereitschaftsführers Heinrich Emmert und dem Wohlwollen der Stadt Heidelberg durch den Kauf eines Anwesens war es zu verdanken, dass eine alte Scheune im Mittelpunkt Handschuhs- heims angemietet und umgebaut werden konnte. Nach knapp ein- jähriger Umbauzeit erfolgte 1982 der Umzug in das neue Domizil in der Oberen Kirchgasse 5, als eine zweckdienliche Lösung und Not- wendigkeit zur Weiterführung der Tagesstätte für die Senioren. Die Bereitschaft wechselte ebenfalls in das neue und nun offizielle DRK- Heim. Und hier bestand auch die Aussicht auf Entfaltung in den eige- nen Räumen.

Durch diese Voraussetzung bekam die Bereitschaft auch die Möglich- keit, sich über den Zeitraum der Hendsemer Kerwe an deren Aktionen beteiligen zu können, die eine nicht unbedeutende Einnahmequelle darstellen. Sie ist ein wichtiger Faktor bei der Abdeckung laufender Ausgaben der Bereitschaft. Doch durch sparsame Haushaltsführung war es möglich, eine lange gehegte Absicht verwirklichen zu können. Der im Jahre 1987 gefaßte Beschluß über die Anschaffung eines bereitschaftseigenen Fahrzeuges fand nach der Hendsemer Kerwe 1988 seine Umsetzung in die Realität. Heute unterhält die Bereitschaft zwei Fahrzeuge und nutzt darüber hinaus auch noch die Sonderfahr- zeuge des Katastrophenschutzes. Zurückblickend auf eine 14-jährige engagierte Führung der Bereit- schaft Handschuhsheim und nachdem Heinrich Emmert die Alters- grenze (60 Jahre) für Bereitschaftsführer überschritten hatte, erfolgte im Jahre 1993 in einer offiziellen Feierstunde und im Beisein der Vor- sitzenden der Handschuhsheimer Vereine seine Ernennung zum Ehrenbereitschaftsführer. Als zeitgemäße Notwendigkeit wurde die geänderte Altersgrenze in der Dienstordnung verankert. Die Wahl des Nachfolgers von Heinrich Emmert fiel auf Jürgen Wiesbeck,. Noch im Jahre 1993 sorgte die Einrichtung einer mobilen Sanitätswa- che für ein richtungsweisendes Aufsehen im DRK-Kreis- und Landes- verband. Ein durch Amortisation freigestellter Rettungswagen konnte durch spezifischen Umbau als eigenes Fahrzeug in die Gerätschaft des DRK Handschuhsheim eingebracht werden. Die seitherige und gewohnheitsmäßige Bezeichnung Bereitschaftsfüh- rer für die Funktion des Obmannes, wurde vom etwas anrüchigen Führer-Nimbus entstaubt und fortan als "Bereitschaftsleiter" ausgewie- sen. Der also amtierende Bereitschaftsleiter Jürgen Wiesbeck wurde 1995 zum Kreisbereitschaftsleiter ernannt und trägt in dieser Eigen- schaft - über seine weiterbestehenden Aufgaben in Handschuhsheim hinaus - bis dato die Verantwortung über 45 Bereitschaften sowie 5 Einheiten des Katastrophenschutzes. Die bereits 1994 ins Auge gefasste Neugestaltung des Senioren-Zen- trums Handschuhsheim (so bezeichnet sich heute die Senioren- Tagesstätte) im Anwesen Obere Kirchgasse 5, konnte nach der bauli- chen Umgestaltung durch die Stadt Heidelberg, am 6. Oktober 1996 offiziell eingeweiht werden. Mit der obligatorischen Schlüsselüberga- be durch die Oberbürgermeisterin Beate Weber und einem zwischen der Stadt Heidelberg und dem DRK-Kreisverband geschlossenen Kooperationsvertrag ist das Senioren-Service-Zentrum in die Träger- schaft des DRK-Kreisverbandes eingebunden. Doch nach wie vor sind die Helferinnen und Helfer im Senioren-Zentrum unter dem hauptamt- lichen Leiter Jürgen Reichenbach ehrenamtlich im Einsatz. In Kooperation mit dem Kreisverband und dem DRK Handschuhsheim konnten 1996 dem Partner-Stadtteil Kiewskij-Rayon zwei gebrauchte, generalüberholte Rettungsfahrzeuge im Werte von DM 20.000 als Spende zugeleitet werden. Die Übergabe in Simferopol vollzogen der Kreisbereitschaftsleiter und Rotkreuzbeauftragte für Katastrophen- schutz Jürgen Wiesbeck, der amtierende Rettungsdienstleiter Sigmar Schilhab und der Initiator dieser Aktion, Stadtteilvereinsvorsitzender Martin Hornig. Nachdem die im Jahre 1977 gegründete Jugendbereitschaft nicht die erhoffte Beständigkeit aufwies, wurde 1996 ein erneuter Versuch unternommen, mit etwa 20 Jungen und Mädchen das zwischenzeitlich inexistente Jugend-Rotkreuz durch eine Wiedergründung als Bereit- schaft zu reanimieren. Mit der zuversichtlichen Gründung einer zwei- ten Jugend-Rotkreuz-Gruppe in Handschuhsheim für 12-15jährige, gedachte man aus den Reihen der Heranwachsenden einen aktiven Nachwuchs gewinnen zu können. Zur Errichtung eines Kinder- und Invalidenzentrums im Handschuhs- heimer Partner-Stadtteil Kiewskij-Rayon in Simferopol, beschloss 1997 das DRK Handschuhsheim die finanzielle Unterstützung dieses Projek- tes, dessen offizielle Einweihung im Jahre 2000 erfolgen soll. Der DRK Kreisverband agiert als Komplementär-Partner bei einer bisherigen Zuschusssumme von DM 50.000. Neben diesen herausragenden Unternehmungen muss jedoch auch die intensive Kleinarbeit der Helferinnen und Helfer besonders erwähnt werden. Sei es die Abwicklung der jährlichen Blutspendeak- tion, die Aktivitäten beim Volkstrauertag, Martinszug, Sommertagszug, oder sonstige Sanitätsdienste, Übungen im Katastrophenschutz, Aus- bildungsabende, zusätzliche Dienste zusammen mit anderen Bereit- schaften oder Unterstützung bei zahlreichen Veranstaltungen bei denen die Präsenz des DRK erforderlich war. Leider ist auch hier fest- zustellen, dass diese Aktionen mit immer weniger Leuten und auf immer weniger Schultern verteilt, bewerkstelligt werden müssen. So bedarf es keiner Überlegung, bei der beispielhaften Renovierung des Bereitschaftsheimes u.a. besonders die Akteure Heinrich Emmert, Mark Seidler und Michaela Knobel für ihre Mammutarbeit hervorzu- heben. Im hundertsten Jahre des Bestehens zählt die DRK-Bereitschaft Hand- schuhsheim noch 38 aktive Mitglieder, die stets bemüht sind, für die Belange der kranken und älteren Mitmenschen einzutreten und die als Helferinnen und Helfer ihre kostbare Freizeit in den Dienst der Allge- meinheit stellen. So möge der DRK-Bereitschaft Handschuhsheim im neuen Jahrtausend weiterhin Ausdauer, Zuwachs und Beständigkeit beschieden sein, um dem Leitbild der Nächstenliebe mit allen Aufga- ben jederzeit gerecht werden zu können

Kontakt

Deutsches Rotes Kreuz
Bereitschaft Heidelberg-Nord

Obere Kirchgasse 5
69121 Heidelberg

Tel.: +49 (0) 6221 436806
( di. ab 20:00 Uhr )

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